Gleichgewicht ist nicht gleich zu setzen mit Mittelmaß. Gleich-gewichten bedeutet sowohl in die eine Richtung, wie auch in die andere Richtung nicht dauerhaft ins Extrem zu verfallen, sondern bewusst dafür zu sorgen, wieder in seine Mitte zu kommen.

Gibt es eine Ursache, warum wir gerne in diese Falle tappen die richtige Balance zu verlieren? Ja, die gibt es. Es ist Mangel in vielfältiger Form. Extreme in negativer und manchmal zerstörerischer Form können Macht, Gier, Neid oder einfach auch zu hohe Umsatzerwartungen sein. Das Streben nach einem ständig exklusiveren Auto, um dem Nachbarn ein Stück voraus zu sein. Dies ist keine Fülle, sondern eher ein Mangelbewusstsein. Der Mangel kann hierbei in der Sucht nach Anerkennung, einem mangelnden Selbstwert und dadurch geringen Selbstbewusstsein liegen. Sich selbst noch nicht gefunden zu haben und sein persönliches Warum nicht zu kennen, ist oft der Treiber für dieses Verhalten. Stell Dir Dein Leben als ein Buch vor. Gefüllt mit zahlreichen Kapiteln Deiner Lebenserfahrungen. Es wird immer umfangreicher, je reifer Du wirst. Aber kennt Du überhaupt den Titel Deines Buches?

Auch Sucht ist ein uns gut bekanntes Beispiel eines Extrems. Es sollte nur ein Ausflug ins Glückspiel werden, daraus wurde das Verlangen nicht mehr aufhören zu können. Oft mit dramatischen Folgen, die ganze Existenzen zerstören können. Ich selbst bin zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn in so ein Extrem verfallen. Das übermenschliche Verlangen eine ganz große Nummer in der Werbung zu werden ließ mich alles ausblenden und es toll finden, bis nachts um drei Uhr in der Agentur zu sein. Das Ende der Geschichte war der totale Zusammenbruch. Ich bin nie wieder in diese Branche zurückgekehrt, außer als Berater für Klienten, die sich in der gleichen Situation befanden, wie ich damals. Es waren die gleichen Muster bis spät abends in der Agentur zu sein, obwohl nur noch im Internet gesurft wurde. Die persönlichen Beziehungen leiden, Partnerschaften gehen kaputt und man wird zum Einsiedlerkrebs. Lassen wir an dieser Stelle ganz bewusst eine Bewertung der Branche weg. Sie ist weder schlecht noch gut. Die Verantwortung lag damals wie heute ganz allein bei mir. Hätte ich bereits das Wissen von heute gehabt, wäre es mir nicht passiert. Aber die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern und heute bin ich dankbar für diese Erfahrung, aus der ich sehr viel gelernt habe und heute weitergeben kann.

Auch im privaten Bereich kommen diese Extreme vor. Jemand der sich bisher für unsportlich hielt findet eine für sich passende Sportart, die ihm Erfüllung schenkt. Nehmen wir als Beispiel Joggen. Erst wenige hundert Meter, dann mehrere Kilometer, dann der erste Halbmarathon. Es folgen Marathon, Triathlon und Iron Man. „Plötzlich“ dreht sich alles nur noch um den Sport. Man erfreut sich am definierten Körper, an der Leistungsfähigkeit, am Erfolg. Urlaube bestehen nur noch aus Leistungscamps mit Gleichgesinnten, um sich weiter heraus zu fordern und Bestätigung zu erhalten. Auch die Gespräche in der Freizeit drehen sich nur noch um diesen Sport. Und dann kommt ganz „plötzlich“ der Absturz. Nichts geht mehr. Keine Lust mehr zu Laufen. Der Sinn scheint verloren gegangen zu sein, weil aus der unbewussten Freude ein Zwang wurde, ohne dass wir es bewusst gemerkt haben. Was wir merken ist die Wirkung, dass wir unser Gleichgewicht verloren haben. Denn unser Leben beinhaltet immer Ursache und Wirkung.

Gehört haben wir es schon oft, dass Stille ein ganz wichtiger Faktor im Fortschritt ist. Das Schalten in den Leerlauf, bevor es nach vorn geht. Aber wann soll ich denn jetzt noch in die Stille gehen, bei den ganzen Aufgaben die ich habe, denken wir so bei uns. Außerdem habe ich für diesen spirituellen Kram keine Zeit. Es wird schon vorbeigehen. Wird es nicht! Und wenn uns der Begriff „Spirituell“ stört, dann nehmen wir einfach ein anderes Wort. Wer Höchstleistungen bringt, egal ob nun beruflich oder im Privatleben, für den ist es zwingend notwendig diese Zeit der inneren Einkehr für sich zu entdecken. Sich erlauben mal an nichts zu denken, sich treiben zu lassen, um das Momentum wieder bewusst zu erleben. Um die Basis zu schaffen, die so wichtige Klarheit in unserem Leben zu erlangen, damit wir unser Handeln in die von uns gewünschte Richtung lenken können.

Spreche ich mit ambitionierten Top-Managern mit hoher Verantwortung bestätigen diese die Wichtigkeit der Stille. Sie tun es einfach ohne sich dafür zu erklären. Ob nun luxuriös auf Reisen oder in sich selbst geschaffenen Oasen der Ruhe und der Besinnung. Sie sprechen nicht darüber, denn für sie ist völlig klar, dass durch das Gesetz der Polarität (Gegensätzlichkeit) ihre Verantwortung darin liegt, für die entsprechende Entspannung zur Anspannung zu sorgen. Dies, um dauerhaft leistungsfähig zu bleiben und vor allem der Kreativität durch Klarheit Raum zu geben, um stets die richtigen unternehmerischen Entscheidungen treffen zu können. Nicht ohne Grund bieten Klöster Schweigeseminare für Manager an, die seit geraumer Zeit immer gut gebucht sind. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wo Oben auch Unten. Wo Links auch Rechts. Wo Stress auch …

Wir haben die freie Wahl der wundervollen Möglichkeiten in die Stille zu gehen. Sei es die Parkbank an einem für uns ganz besonderen Kraftort. Das morgendliche Yoga zu Hause. Eine Meditation allein oder in der Gruppe. Für viele ist eine geführte Mediation der richtige Weg, bei der wir uns entspannt aufs Sofa legen können und nichts weiter tun müssen, als zu lauschen. Wer über eine hohe Resilienz verfügt ist sogar in der Lage im größten Trubel am Flughafen sich abzukoppeln, von den Geräuschen und der Hektik. Innere Ruhe und Gelassenheit bedeutet Zufriedenheit. Das Leben zu genießen und mit allen Sinnen wahr zu nehmen. Sich der wundervollen Begegnung zwischen zwei Menschen zu bedienen – dem Lächeln.

Ich freue mich sehr auf Deinen Kommentar und wünsche Dir nun einen erfolgreichen und entspannten Tag. Willkommen im Leben.

Herzlichst, Dirk-Oliver Lange

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