Es ist heiß. Temperaturen über 30 Grad seit einer ganzen Weile schon. Ich schwitze schon am Morgen und erinnere mich daran, wie sehr ich mir den Sommer in den dunklen und nasskalten Tagen in Hamburg gewünscht habe. Und nun ist er da – der Sommer. Wie wundervoll frei und kreativ ich mich fühle, bis ich durch die Wärme daran erinnert werde einen Gang runter zu schalten und Pausen zu machen. Ja, es geht alles eine Stufe langsamer. Irgendwie auch angenehm und entspannend.

Der Sommer ist eine gute Zeit unsere Akkus aufzuladen. Die Seele baumeln zu lassen und das eigene Leben zu reflektieren. Dass Schöne ist auch, ich kann dies an jedem Ort machen und brauche dazu nicht zwingend verreisen. Der Balkon, die Terrasse oder ein schönes Schattenplätzchen hier bei mir an der Hamburger-Außenalster erfüllen den gleichen Zweck.

Auch die Arbeit wird beflügelt durch Leichtigkeit und Kreativität. Überall entspannte Menschen, die vor den Cafe’s und Restaurants sitzen und das Leben genießen. Wenn da nur nicht dieses eine Wort wäre: SOMMERLOCH. (Stelle dir jetzt dramatische Musik vor) Wer oder was ist bloß dieses Sommerloch. Ich es dunkel oder hell? Positiv oder negativ? Oder vielleicht nur eine liebgewonnene Ausrede?

Also packe ich meinen Gedankenkoffer und mache mich auf die Reise, dieses Sommerloch zu finden. Vielleicht finde ich Antworten bei denen, die wie aus der Pistole geschossen sagen: „Es ist nichts los, es ist ja Sommerloch.“ Ist das wirklich so? Sind wirklich über 80 Millionen Menschen zur gleichen Zeit verreist. Ist es im Sommerloch verboten Entscheidungen zu treffen? Und was kommt nach dem Sommerloch? Das Herbst-Winterloch?

Prokrastination als Fachwort für die menschliche Aufschieberitis hat so wundervolle Gestaltungsformen. Es ist so einfach für uns, wenn sowieso alle verreist sind, uns auch nicht zu bewegen. Wenn die Sommerlochinfizierten zumindest sagen würden, ich mache etwas langsamer, aber trotzdem bin ich produktiv. Da fällt mir dieses süße Bild von Kermit der Frosch ein, welches derzeit durch die sozialen Netzwerke wandert, wo Kermit auf dem Rücken liegt, alle vier Froschschenkel von sich gestreckt mit dem Satz: Wenn ich so liege geht’s.

Ich reise weiter und treffe den nächsten Sommerlochinfizierten. „Es ist so heiß, ich habe keine Lust auf nichts. Ich mag gar nicht denken.“ Hui denke ich, das scheint schon ein schwerwiegender Fall zu sein und hole vorsichtshalber meinen Mundschutz und die Sicherheitsbrille aus meinem Koffer. Ich frage: „Freust du dich nicht über dieses schöne Wetter?“ Die Antwort folgt prompt: „JA, ABER es ist einfach viel zu heiß“.

Es heißt: Energie folgt Aufmerksamkeit. Wenn ich meine Aufmerksamkeit immer nur auf das Schlechte ausrichte, kann auch keine Energie entstehen. Vielleicht hat irgendwann jeder Mensch einen eigenen Planeten auf dem er dann sein Wetter selbst bestimmen kann – Entschuldigung, ich schweife ab. Ist wohl zu warm hier gerade. Warum fällt es uns so schwer nicht an allem herum zu meckern und einfach dankbar zu sein für das was ist, für das wer wir sind, für das was wir haben, für unser Leben! Ein Leben gibt es nicht als Sonderangebot im Supermarkt zu kaufen. Wir bekommen es geschenkt und gehen viel zu oft nicht wirklich pfleglich damit um. Genauso wenig wie mit unserer Erde, mit unseren Meeren und vielem mehr.

Ich darf langsam zum Ende kommen. In 30 Minuten setzen wir zur Landung an auf meinem Flug mit der Nichtsommerloch-Air. Mein Fazit dieser interessanten Reise: Jeder ist für sein Glück im Leben selbst verantwortlich, auch wenn sich jeder Mensch nach Glück sehnt. Sommerloch ist für mich ein ganz typischer Glaubenssatz, um die bereits zuvor bestehende Inaktivität im Sommer fortzuführen. Oder einfach gesagt: Eine Ausrede.

Darum gibt es für mich nur Sommer statt Sommerloch und ich bin gerne für Sie da in diesen Wochen. Den Rest nenne ich Urlaub.

Ich werde diesen Ohrwurm von Wise Guys – Jetzt ist Sommer einfach nicht mehr los.

„Wir lassen uns gehen und lassen uns braten – alles And’re kann `ne Weile warten. Jetzt ist Sommer! Egal, ob man schwitzt oder friert: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.

Ich wünsche Dir noch einen wundervollen Sommer – mit oder ohne Sommerloch – dafür aber mit viel Eis, Leckereien, wertvollen Menschen und ganz viel Herzenswärme für Dich und Deine Liebsten.

Durchgeschwitzt und glücklich…

Dein

Dirk-Oliver